Initiationstext


Zürich, 1. Oktober 2011
Am 1. Oktober 2011 begann der Protest "Sitzplatz Paradeplatz" auf dem Zürcher Paradeplatz. Worum es ging, war zunächst unklar. In erster Linie war "Sitzplatz Paradeplatz" ein Versuch, Fragen zu beantworten. Die Initiatorin Mina S. Tümer aka Minaretta sah sich durch Freunde und Kollegen mit Fragen und Missständen konfrontiert, die sie nicht beantworten oder auflösen konnte.* Am Ende solcher Gespräche schlug sie den Fragenden vermehrt vor, sich „einfach auf den Paradeplatz zu setzen und nicht mehr aufzustehen, bis der Missstand beseitigt oder offene Fragen geklärt sind“. Natürlich war dies nur im Scherz gemeint. 

Dann machte sie Ernst und setzte sich auf den Paradeplatz, um zu protestieren, „laut“ (mit anschliessender Veröffentlichung auf ihrem Weblog) nachzudenken und andere zum Nachdenken anzuregen. Dies geschah regelmässig jeden Samstag eine Stunde lang (ab 13 Uhr). Wer mitmachen wollte, brauchte nur ein Laptop, einen Facebook-Account (Stichwort „Sitzplatz Paradeplatz (Zürich)“ oder hat eine andere Idee (ein Transparent?) und eine Sitzbank oder einen Klappstuhl, wer stehen kann, bitte! Wichtig war, dass man keinen Lärm machte. Ein Handgemenge wäre nichts für friedliche Elektro-Demonstranten mit Apple-Computern. Je mehr Teilnehmer, desto kürzer ist die Aktion, die bei reger Teilnahme auch Züge eines Flashmobs annehmen kann. 

Als sie in die Occupy-Bewegung geriet, stellte sie erstaunt fest, dass sie nicht der Typ ist für Konsens-Entscheide (die ja nichts anderes wären als Politik, die die Mehrheit mit einer wählenden Minderheit unterdrückt. Themen der Politik gehen am Volk vorbei. Gesetze verhindern Dialog und Zwischenmenschlichkeit. Einen Staat, der tägliche Massenmorde an Tieren, Kriege und Volksverdummung antreibt, muss man ignorieren und andere Kanäle öffnen, die allen guttun) . Mina ist selbstständig und fällt ihre Entscheidungen seit jeher für sich. Es sind nicht die endlosen Gespräche, die zu Ergebnissen führen, die es am Ende niemandem recht machen ausser denjenigen, die auf solche VollVersammlungen noch Lust haben. Es gibt da noch eine höhere Macht, einen sagen wir mal göttlichen Funken. Und der ist unabhängig von menschlichem Gekröse und Gewimmel. 

Mina beschloss, der Occupy-Bewegung eine Zeitung zu schenken. Dieser Aufgabe hat sie sich verschrieben. Und sie schreibt weiter. Reportagen, Pamphlete und andere Stoßgebete... 


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* Als ein Beispiel sei die Hungersnot in Afrika genannt, die man kommen sah. Wenn man allerdings sieht, dass der Geldfluss sich in Afrika auf Libyen konzentriert, um einen einzigen Mann, der mittlerweile tot ist, zu fangen, statt seine Konten zu sperren, damit seinen Söldnern das Geld ausgeht und Ghadhafi selbst keine Mittel mehr hat, um seine Drogensucht zu finanzieren, begreift man die Welt nicht mehr.